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Theater

Torquato Tasso

Regie:
Angelika Hurwicz
Schauspieler:
Rosel Zech, Joachim Boldt, Renate Reger, Claus Eberth, Gerd Mayen
   
Rolle:
Leonore von Este
Beschreibung:
Der Schauplatz des Dramas ist Belriguardo, ein Lustschloß des Herzogs von Ferrara. Geht man von der historischen Figur des Tasso aus, so muß die Geschichte im Jahr 1575 spielen, in dem der Dichter sein Gerusalemme liberata vollendet hatte.
Der Dichter Tasso, der am Hof des Herzogs Alfons II. von Ferrara lebt, hat sein Epos abgeschlossen und überreicht es dem Fürsten. Leonore, die Schwester des Herzogs, bekränzt Tasso mit Lorbeer. Die kunstsinnige Idylle wird gestört durch die Ankunft Antonios, Vertrauter des Fürsten, Politiker und Weltmann, der sich von Anfang an Kunst und Wissenschaft gegenüber skeptisch äußert und in gezielter Absicht, Tasso zu kränken, ein Lob Ariosts verkündet. Sehr überraschend kommt im 2. Auftritt des 2. Aufzuges ein Monolog Tassos, aus dem der Zuschauer bzw. Leser erfährt, daß er sich von der Tochter des Herzogs geliebt glaubt, obwohl sich das vorangegangene Gespräch ganz theoretisch um weibliches und männliches Welt- und Menschenbild gedreht hatte. Wenn zwischen den Zeilen Zeichen ihrer Zuneigung zu finden waren, so handelte es sich um ganz unverbindliche Sympathieerklärungen dem Dichter gegenüber.
Trotz seiner Vorbehalte – und weil es die Prinzessin so will – versucht Tasso, die Freundschaft Antonios zu gewinnen. Dieser fertigt ihn kalt-ironisch ab und beleidigt ihn durch seine Mißachtung der Kunst. Der weitere Wortwechsel führt schließlich dazu, daß Tasso den Degen zieht – verständlich zwar nach den verbalen Attacken Antonios, doch gesellschaftlich ein schwerer Fauxpas. Tasso wird nach Anhörung der Beteiligten vom Herzog auf sein Zimmer verbannt – eine unwiderlegbar väterlich milde Entscheidung, die von Tasso aber als »Gefangenschaft« in ihrer Schwere weit überbewertet wird.
In den folgenden drei Aufzügen wird zwar noch viel geredet, doch kommt nur wenig Neues hinzu: Tasso soll den Hof von Ferrara verlassen – nicht auf immer, sondern auf Zeit. Nach wie vor schätzt man seine Gegenwart, doch der Dichter wird einen Argwohn nicht los: »Und sein [Antonios] bedarf man, leider meiner nicht« – womit er die Problematik seiner Existenz hellsichtig umrissen hat.
Anders als es die Pläne des Hofes vorsehen, die ihn in der Nähe halten wollen, beabsichtigt Tasso, nach Rom zu gehen, um im Kreise von Freunden und Dichterkollegen sein Opus beurteilen zu lassen und es gegebenenfalls umzuarbeiten. Eine letzte Begegnung mit der Prinzessin, bei der sich Tasso zu einer Umarmung hinreißen läßt, endet mit dem wenig zweideutigen Diktum: »Hinweg!«
Das abschließende Gespräch mit Antonio gipfelt in den Worten: »Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt / Gab mir ein Gott, zu sagen, wie ich leide.«
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