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Theater

Mutter Courage und ihre Kinder

Regie:
Carl M. Weber
Schauspieler:
Rosel Zech, Ursula von Reibnitz, Gerd Mayen, Hermann Schlögl, Arno E. Hausch, Karl-Heinz Vosgerau, Heinz Voss, Victor Curland, Walther Orth, Horst Butschke, Elisabeth Opitz, Adalbert Stamborski, Rudolf Voss, Richard Ulrich, Ulrich Hüls, Horst Reckers, Siegfried Puhl, Willi Wolff, Helga Stadtler, Arno E. Hausch, Wil Rabenbauer, Peter Hommen, Karl-Heinz Vosgerau, Wolfgang Arnold, Rudolf Voss, Dorothea Walda
   
Rolle:
Kattrin (stumme Tochter)
Beschreibung:
Brechts Antikriegsstück spielt im 17. Jahrhundert, als der Dreissigjährige Krieg in Mitteleuropa wütete. Anna Fierling, die wegen ihrem Heldenmut auch Mutter Courage genannt wird, zieht mit ihrem Marktwagen, zusammen mit ihren beiden Söhnen, dem mutigen Eilif, dem ehrlichen, aber dummen Schweizerkas und ihrer stummen Tochter Kattrin durch die Lande. In der ersten Szene wird Eilif von einem Feldwebel für den Krieg geworben. Mutter Courage sagt dem Feldwebel den Tod voraus, sieht aber auch mit Schrecken, dass ihre eigenen Kinder den Tod finden werden, wenn sie sich nicht aus dem Krieg heraushalten. Zwei Jahre später sieht sie ihren Sohn Eilif in Polen wieder. Während sie in der Küche mit einem Koch um einen Kapaun feilscht, hört sie, wie er einem Feldmarschall seine Heldentat erzählt. Sie quittiert seine Geschichte mit einer Ohrfeige, weil er sich unnötig in Gefahr gebracht hat. Gemeinsam mit einem finnischen Regiment gerät Mutter Courage in Gefangenschaft der Katholiken. Als Schweizerkas die Regimentskassa in Sicherheit bringen will, wird er ertappt, was eine Verurteilung vor dem Feldgericht zur Folge hat. Um ihn auslösen zu können, will Mutter Courage ihren Wagen der Lagerhure Yvette verpfänden, doch sie handelt zu lange. Schweizerkas wird erschossen, und sie lügnet, ihn gekannt zu haben, als man ihr die Leiche zeigt, um nicht in Schwierigkeiten zu kommen. Ein protestantischer Feldprediger hilft ihr sich dem Heer der Katholischen anzuschliessen. Der Feldprediger macht ihr auch Heiratsanträge, die sie jedoch ablehnt, die sie aber zurückweist. Aufgrund eines Überfalls auf Kattrin wechselt Mutter Courage die Front wieder, aber nach dem Tod König Gustavs erwarten alle Frieden, was Courages Ruin wäre. Eilif wird zum Tode verurteilt, weil er eine Bauersfrau umgebracht hat, als schon Frieden galt. Der Feldprediger verlässt sie, dafür schliesst sich der Feldkoch, für den sie jahrelang eine Pfeife aufhob, ihr an. Schliesslich bekommt er einen Brief, der ihm anzeigt, dass er in seiner Heimat Utrecht ein Wirtshaus geerbt hat. Courage versteht sich gut mit ihm und würde ihm gerne folgen, doch lässt sie es bleiben, als er sich weigert, die stumme und etwas entstellte Kattrin mitzunehmen. In der letzten Szene zwingen ein paar kaiserliche Soldaten einen Bauern, ihnen einen Schleichweg in die Stadt Halle zu zeigen, die sie stürmen wollen. Kattrin belauscht das Gespräch, steigt auf das Dach des Hauses und trommelt die Bewohner der Stadt wach, um sie zu warnen. Sie schafft es, wird jedoch dann von einem Soldaten vom Dach heruntergeschossen. Mutter Courage zieht mit ihrem Wagen alleine weiter. Sie hat alle drei Kinder verloren und nichts aus dem Krieg gelernt.
  • Der älteste Sohn Eilif geht zugrunde, weil er sich selbst treu bleibt und so im Sinne seiner Mutter handelt. Im Krieg ist er der grosse Held, der brutal die Bauern erschlägt und ihnen das Vieh raubt, wofür er ausgezeichnet wird. Im Frieden tut er das gleiche, doch nun gilt es als Verbrechen, und er wird erschossen.

  • Der etwas dumme Schweizerkas ist so redlich, dass er die Regimentskassa auch dann nicht an den Feind ausliefern will, als sein Leben bedroht wird. Er hat dabei nicht den eigenen Vorteil im Sinn, sondern handelt nur, wie es seine Mutter ihn gelehrt hat. Auch er kann nicht abwägen, wie in einer besonderen Situation gehandelt werden muss.

  • Um die stumme Kattrin ist die Mutter Courage besonders besorgt, und sie verspricht ihr in Friedenszeiten einen Mann zu suchen. In der zehnten Szene versucht Kattrin mit Trommelschlägen die Bürger der Stadt Halle vor dem bevorstehenden Überraschungsangriff zu warnen. Die Bauern, denen das Haus gehört auf dessen Dach Kattrin trommelt, sind genauso wie Courage; sie wollen sich heraushalten, auch wenn Mitmenschen dabei ums Leben kommen. Die Schrecken und Grauen des Krieges haben es nicht geschafft, die Leute aus ihrer egoistischen Haltung herauszureissen, sie fürchten nur den eigenen Nachteil. Ihre völlig uneigennützige Tat kostet Kattrin das Leben, erreicht aber ihr Ziel: Die Bürger von Halle sind erwacht und greifen zu den Waffen, um sich zu verteidigen.

Mutter Courage will mit dem Krieg das grosse Geschäft machen, ihre Kinder aber aus ihm heraushalten. Doch weil sie auf den Trick des Werbers hereinfällt, der seinen Freund etwas kaufen lässt, damit er den Sohn Eilif abwerben kann, verliert sie ihren Ältesten. Hier zeigt sich ein Widerspruch zwischen Mutter und Händlerin; Courage stellt die Interessen der Händlerin über die Mutter. Ihr Programm, sich aus dem Krieg rauszuhalten und vom Krieg zu verdienen, kann sie nicht verwirklichen, sie muss dem Krieg auch etwas geben. Das Verhältnis der Courage zum Krieg ist wirtschaftlich, d.h. sie sucht im Krieg ihren Vorteil. Sie muss den Krieg also bejahen. Während andere sich über den Frieden freuen, bedeutet er für sie den Ruin. Ähnlich wie ihren ersten verliert sie auch ihren zweiten Sohn Schweizerkas. Sie ist zu spät dazu bereit gewesen, ihre Existenzgrundlage (den Marktwagen) gegen das Leben ihres Sohnes einzutauschen. Sie stellt wieder ihr wirtschaftliches Interesse vor das Mitleid der Mutter. Courage bezahlt ihre ökonomischen Interessen mit dem Verlust ihrer drei Kinder und am Ende mit dem persönlichen Ruin.
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