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Memories
Johanna Marx - Schauspielerin

Wir waren zwar nicht befreundet, haben uns nicht wirklich gekannt, aber wir sind uns begegnet.

Eine dieser Begegnungen, die sich einem in Hirn und Herz brennen, die man nicht vergisst, und die dich in meiner Vorstellung immer wieder lebendig machen. So war das mit "mir" zu "dir".

Johanna Marx

Wie es dir ergangen ist mit "dir" zu "mir": keine Ahnung. Sicher warst du skeptisch. Und dieser gesunde skeptische Abstand, der hat mir auch gefallen an dir, der ließ mich dir vertrauen. Und dann warst du auch offen, großzügig, gastfreundlich, weise, fast hellsichtig, bodenständig, humorvoll, direkt, fein, kämpferisch, gerade heraus. Und wir hätten uns sicher auch gut streiten können. Wie eine Erfahrene mit einer Unerfahrenen, eine Alte mit einer Jungen, eine Mutter mit ihrem Kind, und das spielten wir ja sogar.

Die Leseprobe: ich kam vollkommen durcheinander an, weil ich gerade vor der Tür, zehn Minuten vor Probenbeginn, einen Autounfall gebaut hatte. Aber ich erinnere mich, du warst so vorbereitet auf die Leseprobe, als hätten wir am selben Tag Premiere machen wollen. Hast die Lieder gesungen, nein, rausgehauen, um einzelne Sätze gekämpft wie ein Löwe und die Meßlatte hättest du nicht höher aufhängen können.

Und das hast du auch sonst vorgelebt: ein guter Schauspieler muss für sein Können und seinen Erfolg hart kämpfen und arbeiten.

Mutter Courage

Ich mochte die scheinbaren Gegensätze in Dir:

Das Weiche im Harten, Verletzlichkeit gepaart mit Robustem, Ernsthaftigkeit gesprenkelt mit Humor und Augenzwinkern, das fast Hellsichtige vereint mit Bodenständigkeit, der Abstand in der Begegnung, das Vertraute in der Distanz, das volle Leben im Bewusstsein der Vergänglichkeit und des Todes.

Als Zadek starb bist du auf die Bühne gegangen um für ihn zu spielen. Es war die berührendste Vorstellung. Dieses "trotzdem" oder "gerade deshalb" weitermachen und spielen müssen hatte eine unglaubliche Kraft.

Irgendwann hab ich dann von deiner Krankheit erfahren. Angemerkt hat man dir nichts. Und es muss auch dieses "trotzdem" oder "jetzt erst recht" gewesen sein, das dich hat arbeiten lassen mit dieser unglaublichen Entschlossenheit.

Ab und zu hab ich dir Fragen gestellt, was das Theater und das Leben betraf. Es war immer der Wille, die Liebe zum Beruf, die Unbedingtheit, die dich angetrieben haben. Du wusstest: du willst spielen. Alles andere ordnet sich unter.

Und dann sagtest du noch: und viel mehr ist es dann gar nicht mehr, dort spielen und dort spielen und Begegnungen und Spuren hinterlassen und das wars dann auch schon.... So ähnlich hast du es gesagt.

Mutter Courage

Nach der letzten Vorstellung bist du dann heimlich und leise verschwunden. Ein Spaziergang bei vollem Mond. "Ich hasse Abschiede." Ich auch. Danke, dass ich dir begegnen durfte. In meiner Erinnerung bist du lebendig.

Johanna

Fotos: Hannes Bessermann
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